Allgemeine Vereinsgeschichte

Die Arbeitsgemeinschaft Volkstanz Tirol verfolgt eine wissenschaftlich untermauerte, aus der Überlieferung gewachsene und dennoch zeitgemäße Volkstanzpflege. Sie bemüht sich um Wiederbelebung, Erneuerung und Verbreitung der überlieferten Formen von Musik, Lied, Tanz und Tracht sowie um Förderdung des übrigen Brauchtums. So hat die Arbeitsgemeinschaft ihren Vereinszweck in ihren Statuten zusammengefasst.

Begonnen hat diese Tätigkeit bereits vor 50 Jahren, als im Rahmen des Landesjugendreferates für Tirol der "Ring" verschiedene Gruppen - z.B. auch Theatergruppen - vereinigte, um die kulturelle Jugendarbeit nach dem 2. Weltkrieg wieder aufzubauen. In diesem "Ring" vereinigten sich verschiedene Arbeitsgruppen, darunter auch die "Arbeitsgemeinschaft Volkstum-Brauchtum" beim Landesjugendreferat Tirol unter der Leitung von Prof. Karl Horak. Die ein Jahr später gegründete Volkstanzgruppe Innsbruck (der heutige Volkstanzkreis Innsbruck) repräsentierte diese Arbeitsgemeinschaft oft nach außen.

So gab es im Jänner 1948 ein Jugendlager am Vilsalpsee, in einem Seitental des Tiroler Lechtales, und 1949 den ersten Volkstanzkurs in Innsbruck, der von Prof. Karl HORAK geleitet wurde. In der Folge wurden auch reine Volkstanzwochen organisiert. Der Name HORAK zieht sich wie ein roter Faden durch die Volkstanzarbeit in Tirol. Prof. Karl Horak hat mit seiner Frau Grete nicht nur unsere Volkstänze aufgezeichnet und damit der Nachwelt erhalten, sondern sie in zahlreichen Kursen und Seminaren sozusagen wieder unter die Leute gebracht.

TanzcongressFür unsere heutige Volkstanzarbeit bilden Prof. Horaks Arbeiten nach wie vor die wissenschaftliche Basis. Als Dir. Arthur Haidl, der damalige Leiter des Landesjugend- referates, in Pension ging und die neue Leitung andere Akzente setzte, schien die Stellung der Arbeitsgemeinschaft Volkstum-Brauchtum nicht mehr richtig abgesichert. Deshalb wurde 1978 der "Verein für Volkstanzpflege" gegründet, aus dem 1989 die "Tiroler Landesarbeitsgemeinschaft für Volkstanz" erwachsen ist und dieser wurde 2004 in die "Arbeitsgemeinschaft Volkstanz Tirol" umbenannt.
Ein besonderer Höhepunkt für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz Tirol war die Ausrichtung des 8. Bundesvolkstanztreffens in Innsbruck im Jahre 1988. Die damals für diesen Zweck geschaffene Arbeitsgruppe "Komitee 88" unter der Leitung von Dr. Klaus Tschurtschenthaler hat ein beeindruckendes Fest organisiert, von dem die Teilnehmer heute noch schwärmen.

Ab 1978 haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die im Lande verstreut (Innsbruck, Rotholz, Kitzbühel, Neustift im Stubaital, Leutasch, Achenkirch, Fieberbrunn, Landjugend, usw.) die eigentliche Breitenwirkung der Volkstanzarbeit erreichten. Diese Arbeitsgruppen sind heute eigenständige Vereine. So finden im Laufe eines Jahres etwa 50 Volkstanzveranstaltungen statt, bei denen Volkstanz nicht als Darbietung verstanden wird, sondern als Ausdruck einer gepflegten Geselligkeit in einer toleranten Gemeinschaft.

Gott sei Dank finden sich heute wieder junge und ältere Musikanten, die bei diesen Gelegenheiten aufspielen und auch ohne Verstärker begeistern können.
Natürlich gibt es auch Tänze für Feiergestaltungen, die Zuschauer brauchen. Gerade Tirol ist sehr reich an solchen Tänzen (z.B. Fackeltanz, Reiftanz, Agattanz usw.), mit denen Feste feierlich gestaltet werden können. So mancher Tanz hat damit wieder eine neue Sinngebung erlangt. So wird der Tiroler Reiftanz - ursprünglich den Tanz der Binder - heute von der Landjugend beim Erntedankfest getanzt.

Grete und Karl HorakEr hat dadurch wieder "Leben" eingehaucht bekommen und ist damit fixer Bestandteil des Brauchtums geworden. Mit großer Freude stellen wir fest, dass auch die Jugend dieser Art von Freizeitgestaltung und Unterhaltung nicht abgeneigt ist. Seit vielen Jahren organisiert Frau Daniela Schablitzky die Kinder- und Jugendmusizierwoche in der Landeslehranstalt Weitau in St. Johann. Über 80 Kinder und Jugendliche musizieren, singen und tanzen in dieser Woche mit großer Begeisterung.

Die Überlieferung ist zwar unser Fundament, jedoch dürfen wir dabei nicht übersehen,
dass Lebensvoraussetzungen und Lebensauffassungen sich ständig ändern. Ein verstaubter Musealismus sollte vermieden werden. Aus der Fülle alter Formen sollten jene weiter gebildet werden, die auch im Stande sind, im Menschen der Gegenwart innere Werte zu wecken (nach Horak).